Ein Produkt erhält die höchste Stufe, deren Kriterien es vollständig erfüllt. Die gemeinsamen Kriterien (C) gelten für jede Stufe.
Alle Stufen
Produkt und Website des Anbieters nennen die NOCIP-Stufe und sagen, wo die KI-Verarbeitung stattfindet. Die Angabe ist für Nutzer vor der ersten Verwendung auffindbar (z. B. Produktseite, Einstellungen, Dokumentation).
- Nachweis
- Adressen (URLs) und Bildschirmfotos der Angaben.
- Prüfung
- Angaben auf der Website und im Produkt aufrufen.
- Angaben mit der im Audit festgestellten Architektur vergleichen.
- Bestanden, wenn
- Angaben vorhanden, zutreffend und passend zur Stufe.
Die Dokumentation nennt jedes Modell, das für KI-Funktionen des Produkts eingesetzt wird: Name, Version, Lizenz, Herkunft und Ort der Ausführung (Kunde, Anbieter oder Dritt-KI mit Land).
- Nachweis
- Modellverzeichnis (Tabelle in der Selbstauskunft).
- Prüfung
- Modellverzeichnis mit installierten Modelldateien, Konfiguration und beobachtetem Datenverkehr vergleichen.
- Bestanden, wenn
- Verzeichnis vollständig und stimmig.
C-03Kein Training mit Kundendaten
Inhalte des Kunden werden weder vom Anbieter noch von Dritten zum Training oder Nachtraining von Modellen verwendet, außer der Kunde willigt ausdrücklich ein. Die Einwilligung ist standardmäßig aus. Nachtraining ausschließlich auf den Systemen des Kunden ist erlaubt.
- Nachweis
- Vertragsbedingungen des Anbieters und, falls eingesetzt, der Dritt-KI; Standardeinstellungen.
- Prüfung
- Vertragsbedingungen prüfen.
- Standardeinstellungen im Produkt prüfen.
- Bestanden, wenn
- Kein Training ohne ausdrückliche Einwilligung; Einwilligung standardmäßig aus.
C-04Keine Inhalte in Telemetrie und Protokollen
Telemetrie, Nutzungsstatistiken, Absturzberichte und entfernte Protokolle enthalten keine Dokumentinhalte, Eingaben, KI-Ergebnisse oder personenbezogenen Daten aus verarbeiteten Inhalten.
- Nachweis
- Beschreibung aller übermittelten Telemetrie- und Diagnosedaten.
- Prüfung
- Testdokumente mit Prüfwerten verarbeiten.
- Gesamten ausgehenden Datenverkehr mitschneiden, einschließlich Absturzberichten (Absturz möglichst auslösen).
- Mitschnitt nach Prüfwerten durchsuchen.
- Bestanden, wenn
- Kein Prüfwert außerhalb der für die Stufe zulässigen Übermittlungen.
Der Anbieter meldet Änderungen der KI-Architektur (neues Modell oder neuer Modellanbieter, neuer Verarbeitungsort, neue externe Verbindung, geänderte Weiche oder Pseudonymisierung) innerhalb von 30 Tagen an NOCIP. Eine Änderung, die zu einer niedrigeren Stufe führt, wird vor ihrer Einführung gemeldet.
- Nachweis
- Unterzeichnete Label-Vereinbarung.
- Prüfung
- Label-Vereinbarung prüfen.
- Bei Stichproben und Verlängerung: Architektur mit dem letzten Prüfbericht vergleichen.
- Bestanden, wenn
- Vereinbarung unterzeichnet; keine ungemeldeten Änderungen.
Der Anbieter nennt jede ausgehende Netzwerkverbindung des Produkts (Ziel, Zweck, übertragene Daten). Bei der Verarbeitung der Testdokumente entstehen keine Verbindungen außerhalb dieser Liste.
- Nachweis
- Verbindungsliste (Tabelle in der Selbstauskunft).
- Prüfung
- Produkt hinter dem Prüf-Proxy und mit Paketmitschnitt betreiben.
- Testkorpus verarbeiten.
- Beobachtete Verbindungen und DNS-Anfragen mit der Liste vergleichen.
- Bestanden, wenn
- Keine Verbindung, die nicht auf der Liste steht.
Verarbeitet der Anbieter Daten des Kunden (z. B. SaaS, Fernwartung), bietet er einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO an, der alle Unterauftragsverarbeiter mit Zugang zu KI-Eingaben oder -Ergebnissen nennt. Gilt nicht, wenn der Anbieter keine Kundendaten erhält.
- Nachweis
- Vertragsmuster zur Auftragsverarbeitung, Liste der Unterauftragsverarbeiter.
- Prüfung
- Vertrag und Liste prüfen.
- Liste mit Modellverzeichnis und Verbindungsliste vergleichen.
- Bestanden, wenn
- Vertrag vorhanden; Liste vollständig. Oder: Anbieter erhält keine Kundendaten.
C-08Vom Nutzer ausgelöste Meldungen
Sendet das Produkt auf Wunsch des Nutzers Beispiele an den Anbieter (z. B. zur Verbesserung der Erkennung), dann nur so: (1) Der Nutzer löst jede Meldung selbst aus, nie automatisch und nie als Voreinstellung. (2) Das Produkt ersetzt personenbezogene Daten vorher durch erfundene Angaben gleichen Formats, ohne Zuordnungstabelle. (3) Eine Vorschau zeigt genau, was gesendet wird, und der Nutzer kann sie ändern; Wörter, die er im Original behält, bestätigt er vor dem Senden noch einmal. (4) Der Anbieter verwendet Meldungen nur zur Verbesserung des Produkts und gibt sie nicht weiter. Gilt nicht, wenn das Produkt keine Meldungen sendet.
Schwelle: Ersetzt werden ≥ 99 % der strukturierten Kennungen (IBAN, E-Mail, Telefon, Ausweis- und Steuernummern), ≥ 98 % der Personennamen und ≥ 95 % aller Prüfwerte – wie B-03.
- Nachweis
- Beschreibung der Meldefunktion, Bildschirmfotos der Vorschau, Zweckbestimmung in den Vertragsbedingungen.
- Prüfung
- Meldefunktion mit Texten des Testkorpus aufrufen.
- Gesendete Meldungen mitschneiden, nach Prüfwerten durchsuchen und die Quoten je Gruppe berechnen.
- Prüfen, dass ohne Auslösung durch den Nutzer nichts gesendet wird und die Vorschau dem Gesendeten entspricht.
- Vertragsbedingungen zur Verwendung prüfen.
- Bestanden, wenn
- Alle vier Bedingungen erfüllt und alle drei Schwellen erreicht – oder das Produkt sendet keine Meldungen.
Silber
S-01Vom Anbieter betriebene KI
Variante S-aKI, die personenbezogene Daten verarbeitet, läuft beim Kunden oder auf vom Anbieter betriebener Infrastruktur im EWR. Keine Dritt-KI sieht personenbezogene Daten. Modell-Dienste eines Cloud-Anbieters gelten als Dritt-KI.
- Nachweis
- Architekturbeschreibung, Hosting-Verträge, Standorte.
- Prüfung
- Hosting-Verträge und Standorte prüfen.
- Nachweis einholen, dass der Anbieter die Modelle selbst ausführt (Konfiguration, Bereitstellung, Modelldateien).
- Testkorpus über den Dienst verarbeiten; ausgehenden Verkehr der Anbieter-Server prüfen, soweit zugänglich, sonst Protokolle des Anbieters.
- Bestanden, wenn
- Modelle laufen nachweislich beim Anbieter im EWR; keine Dritt-KI erhält Prüfwerte.
Wird eine Dritt-KI eingesetzt, prüft eine Weiche beim Kunden oder auf vom Anbieter betriebener Infrastruktur jede Anfrage. Nur Anfragen ohne personenbezogene Daten gehen an die Dritt-KI.
- Nachweis
- Beschreibung der Weiche (Verfahren, Ort, Kategorien).
- Prüfung
- Weiche in der Architektur nachvollziehen.
- Prüfen, dass keine Anfrage an der Weiche vorbei zur Dritt-KI gelangt.
- Bestanden, wenn
- Jede Anfrage an die Dritt-KI passiert die Weiche.
S-03Trefferquote der Weiche
Variante S-bDie Weiche hält Anfragen mit personenbezogenen Daten zuverlässig von der Dritt-KI fern.
Schwelle: Von den Testanfragen mit personenbezogenen Daten erreichen höchstens 0,5 % die Dritt-KI (≥ 99,5 % zurückgehalten); bei Anfragen mit strukturierten Kennungen (IBAN, E-Mail, Telefon, Ausweis- und Steuernummern) höchstens 0,1 % (≥ 99,9 %).
- Nachweis
- Eigene Messwerte des Anbieters (freiwillig).
- Prüfung
- Mindestens 1.000 Testanfragen je Sprache senden (gemischt, mit und ohne personenbezogene Daten).
- Zählen, welche Anfragen mit Prüfwerten die Dritt-KI erreichen.
- Quoten getrennt nach strukturierten Kennungen und übrigen Angaben berechnen.
- Bestanden, wenn
- Beide Schwellen erreicht, in Deutsch und Englisch.
S-04Sicherer Ausfall der Weiche
Variante S-bIst die Weiche unsicher, fehlerhaft oder nicht erreichbar, bleibt die Anfrage lokal bzw. beim Anbieter.
- Nachweis
- Beschreibung des Fehlerverhaltens.
- Prüfung
- Weiche gezielt stören (beenden, Zeitüberschreitung, fehlerhafte Antwort).
- Prüfen, ob dabei Anfragen die Dritt-KI erreichen.
- Bestanden, wenn
- Bei keiner Störung erreicht eine Anfrage die Dritt-KI.
Bronze
B-01Pseudonymisierung vor der Übermittlung
Jede Anfrage an eine Dritt-KI durchläuft einen Pseudonymisierungsschritt beim Kunden oder auf vom Anbieter betriebener Infrastruktur.
- Nachweis
- Architekturbeschreibung des Pseudonymisierungsschritts.
- Prüfung
- Pseudonymisierungsschritt in der Architektur nachvollziehen.
- Prüfen, dass keine Anfrage daran vorbei zur Dritt-KI gelangt.
- Bestanden, wenn
- Jede Anfrage an die Dritt-KI wird vorher pseudonymisiert.
Mindestens erfasst werden: Namen natürlicher Personen, Anschriften, Geburtsdaten, Telefonnummern, E-Mail-Adressen, IBAN und Kontonummern, Ausweis-, Pass-, Steuer-, Sozialversicherungs- und Krankenversicherungsnummern, Akten- und Geschäftszeichen, Kfz-Kennzeichen, IP-Adressen. Weitere Kategorien nennt der Anbieter.
- Nachweis
- Liste der erfassten Kategorien.
- Prüfung
- Liste prüfen.
- Je Kategorie Prüfwerte im Testkorpus verarbeiten (siehe B-03).
- Bestanden, wenn
- Alle Mindestkategorien erfasst.
Der Pseudonymisierungsschritt entfernt personenbezogene Daten zuverlässig. Ein Prüfwert gilt als durchgelassen, wenn er oder eine naheliegende Schreibweise davon im Klartext in der ausgehenden Anfrage steht.
Schwelle: Entfernt werden ≥ 99 % der strukturierten Kennungen (IBAN, E-Mail, Telefon, Ausweis- und Steuernummern), ≥ 98 % der Personennamen und ≥ 95 % aller Prüfwerte insgesamt.
- Nachweis
- Eigene Messwerte des Anbieters (freiwillig).
- Prüfung
- Mindestens 200 Testdokumente je Sprache verarbeiten.
- Ausgehende Anfragen an die Dritt-KI mitschneiden.
- Je Prüfwert feststellen, ob er im Klartext enthalten ist; Quoten je Gruppe berechnen.
- Bestanden, wenn
- Alle drei Schwellen erreicht, in Deutsch und Englisch.
B-04Zuordnungstabelle bleibt
Die Zuordnungstabelle (Platzhalter ↔ echte Angabe) verlässt den Kunden bzw. den Anbieter nie. Die Rückführung der Platzhalter in KI-Ergebnissen geschieht beim Kunden oder beim Anbieter.
- Nachweis
- Beschreibung, wo die Zuordnungstabelle gespeichert und wann sie gelöscht wird.
- Prüfung
- Ausgehende Anfragen nach Zuordnungen durchsuchen (Platzhalter neben Prüfwert).
- Bestanden, wenn
- Keine Zuordnung im ausgehenden Verkehr.
B-05Sicherer Ausfall der Pseudonymisierung
Schlägt die Pseudonymisierung fehl oder ist sie nicht erreichbar, wird nichts an die Dritt-KI gesendet.
- Nachweis
- Beschreibung des Fehlerverhaltens.
- Prüfung
- Pseudonymisierung gezielt stören (beenden, Zeitüberschreitung, fehlerhafte Antwort).
- Prüfen, ob dabei Anfragen die Dritt-KI erreichen.
- Bestanden, wenn
- Bei keiner Störung erreicht eine Anfrage die Dritt-KI.
Nutzer können sehen, was an die Dritt-KI gesendet wurde (Vorschau vor dem Senden oder Protokoll).
- Nachweis
- Bildschirmfotos der Vorschau bzw. des Protokolls.
- Prüfung
- Vorschau bzw. Protokoll im Produkt aufrufen und mit dem Mitschnitt vergleichen.
- Bestanden, wenn
- Vorschau bzw. Protokoll vorhanden und vollständig.
B-07Vertrag mit der Dritt-KI
Der Vertrag mit dem Anbieter der Dritt-KI schließt Training mit den Daten aus, begrenzt die Speicherung auf höchstens 30 Tage und sieht eine Verarbeitung im EWR oder eine gültige Grundlage für die Übermittlung in Drittländer vor.
Schwelle: Speicherung ≤ 30 Tage.
- Nachweis
- Vertrag bzw. Vertragsbedingungen der Dritt-KI, gewählte Region.
- Prüfung
- Vertrag und Konfiguration (Region, Speicherung) prüfen.
- Bestanden, wenn
- Kein Training, Speicherung ≤ 30 Tage, Grundlage für die Übermittlung vorhanden.
Produkt und Werbung bezeichnen pseudonymisierte Daten nicht als anonym oder anonymisiert.
- Nachweis
- Adressen der Produkt- und Werbetexte.
- Prüfung
- Produkt- und Werbetexte durchsehen.
- Bestanden, wenn
- Keine Bezeichnung als anonym.